Karim Benzema hat es also geschafft. Nach dem Titel zu Europas Fußballer des Jahres wurde ihm seine Leistung in der vergangenen Saison nun auch noch mit dem Ballon d´Or vergoldet. Und das völlig zurecht. Mehr als nur ein, zwei oder drei Mal war es der Franzose, der für seine Mannschaft der entscheidende Mann auf dem Platz war und voranging, wenn es darauf ankam. Er schoss die wichtigsten Tore in LaLiga und der UEFA Champions League und präsentierte sich als ein wahrer Kapitän, der voranging und seine Mannschaft unermüdlich antrieb. Vordergründig natürlich durch Leistung, aber auch durch Attribute wie Leadership, Charisma und besonders den absoluten Siegeswillen. Ein Gen, das beim selbsternannten besten Club der Welt im Grunde in der DNA eines jeden großen Spielers liegt und so auch hier. Denn Reals Nummer 9 ist mittlerweile so viel mehr als der intelligente Zuarbeiter von Cristiano Ronaldo, er ist DER X-Faktor ohne den das königliche Spiel einfach nicht auf gleicher Ebene zu funktionieren vermag. Oder wie Welt- und Europameister Iker Casillas einmal sagte: „Karim ist Gott“. Zugegeben, das ist vielleicht eine leicht überspitzte Formulierung, zeichnen Götter sich doch durch ihre Untersterblichkeit aus. Spaß beiseite, es gab unbestritten in den vergangenen 12 Monaten keinen anderen Spieler, der den europäischen Fußball auf individueller Ebene so nachhaltig geprägt hat wie er. Doch wie kommt es, dass Benzema mittlerweile ein so überragender Spieler ist, dass sogar eine Mannschaft wie Real Madrid abhängig von seinen Toren zu sein scheint? Was sind die Gründe, die diesen lange Zeit als Chancentod verschrienen und geächteten Franzosen in den letzten Wochen, Monaten ja sogar Jahren still und heimlich zum aktuell besten Spieler dieses Planeten gemacht haben? Nicht nur für Real Madrid, sondern nach langjähriger Abstinenz auch für seine Nationalmannschaft.

1. Der bratan bleibt der gleiche

Karim Benzema ist sich und seiner spielerischen Linie über die Jahre hinweg immer treu geblieben, hat das Ganze im Laufe der Zeit sogar noch perfektioniert. Spricht man im heutigen Zeitalter vom modernen Mittelstürmer, spricht man im Grunde von Karim Benzema. Selbstverständlich werden jetzt viele argumentieren, dass auch ein Robert Lewandowski in diese Kategorie gehört. Ich sage ja, aber mit Abstrichen. Lewandowski ist in meinen Augen deutlich eher noch der klassische Vollstrecker, der mithilfe seines eingebauten Torinstinkts genau weiß, wie er sich zu positionieren hat. Ein Benzema spielt schon so viele Jahr auf absolutem Topniveau und hat sich trotz persönlicher Leistungskrisen, Buhrufen im eigenen Stadion oder Hetzkampagnen der Medien nie von seinem Weg abbringen lassen. Stets war er der Spieler, der er heute ist und das ist in einer schnelllebigen Fußballwelt wie dieser wohl seine größte Errungenschaft. Man kann diesem Spieler nicht vorwerfen, sich für die wie Ruhm oder Erfolg verändert oder verstellt zu haben. Der Stürmer wusste immer um seine Stärke und hat auch aus seinem familiären Umfeld sehr viel Unterstützung erfahren. Das wurde auch gestern bei der Verleihung „seines“ Ballon d´or noch einmal deutlich.

2. Seine Mitspieler

Benzema wird von seinen Mitspielern vergöttert, die Beziehung untereinander funktioniert im Grunde wie eine perfekte Symbiose. Er macht seine Mannschaftskollegen besser und diese geben alles für ihn. Das beste Beispiel für diese Aussage ist ein gewisser Vinicius Junior: Spielt er ohne sein Idol, ist er definitiv eine Klasse schlechter einzustufen, allein weil ihm die mitdenkende Spielintelligenz seines kongenialen Sturmpartners abgeht. Andersherum machte der junge Brasilianer nie einen Hehl daraus, wie sehr er seinen Kollegen als Vorbild vergöttert und ist auf dem Platz immer der erste, der ein Tor mit seinem Kapitän feiert. Genannt werden muss in diesem Rahmen aber auch ein Luka Modric, der seinen Mannschaftskollegen Jahr für Jahr durch leichtfüßige Einzelaktionen blendend in Szene setzt. Diese Liste ließe sich mit aktuellen wie ehemaligen Mannschaftskollegen noch unendlich fortführen: Toni Kroos, Casemiro, Gareth Bale, Rodrygo, etc. Doch das würde den Rahmen sprengen, auch wenn ein jeder in dieser Aufzählung sicherlich auch in den Augen von Reals Nummer 9 einen Platz verdient hätte. Benzema überzeugte und überzeugt auch wegen all seinen Weggefährten auf ganzer Linie. Festzustellen ist also, das auch ein so überragender Individualist nicht nur von seiner eigenen Klasse lebt, sondern auch wegen seinen (jahrelangen) Mitstreitern so gut aussehen kann. Das soll seine eigene Leistung nicht schmälern, sondern viel eher herausheben, wie gut er auch als Persönlichkeit mit seinen Teamkollegen harmoniert.

3. Seine nicht mehr Mitspieler (Cristiano Ronaldo)

Jahrelang stand er im Schatten des größten Fußballers des Planeten. Obwohl er auch in diesem Zeitraum seine Leistung brachte, dennoch aber eher in einem Rahmen, die als Zuarbeiter und „Bessermacher“ der Mitspieler von der Öffentlichkeit nicht so wertgeschätzt wurde. Eine Rolle, die heute beispielsweise der bereits angesprochene Luka Modric für den Franzosen übernimmt. Seit dem Abgang von CR7 ist Benzema leistungstechnisch und persönlich noch einmal enorm gewachsen und darf aktuell auch deswegen getrost als bester Fußballer der Welt bezeichnet werden. Offensichtlich wird das auch mit einem zusätzlichen Blick auf die Zahlen der unterschiedlichen Ären. 131 Tore erzielte er in vier Jahren nach dem Abgang von Ronaldo. In den 9 Jahren mit CR7 als Teamkollege schoss er 192 Tore und damit nur 61 mehr als in mehr als doppelt so vielen Jahren zuvor. Er ist mittlerweile einfach DAS Aushängeschild der Offensive und mit Blick auf diese Zahlen wird einmal mehr deutlich, wieso er zurecht als einer der besten Stürmer aller Zeiten gilt.

4. Persönliches Wachstum

Man könnte den Eindruck gewinnen, Reals Kapitän ist aufgrund vieler Umstände in den vergangenen Jahren vor allem an sich selbst gewachsen. Persönliches Wachstum erfolgt oftmals aus der Veränderung heraus aber auch aus einer gewissen Verantwortung gegenüber der eigenen Person, der Familie und seinen Freunden. Im Falle des Mannschaftssports Fußball aber auch gegenüber seines Vereins und seiner Teamkollegen. Benzema war schon immer der Spieler der er jetzt ist, nur mit anderen Prioritäten. Das unterstreicht zum einen seine wahnsinnige Spielintelligenz und zum anderen seine Größe als Spieler, sich selbst jahrelang in den Dienst der Mannschaft gestellt zu haben. Etwas das von persönlicher Stärke und einem starken Mindset zeugt. Denn wer kann von sich behaupten, auch in schwierigen Zeiten, in denen man in der Mediensportart Fußball oftmals als Chancentod und Butler eines CR7 verschrien wird, den Glauben an seine eigenen Fähigkeiten nicht zu verlieren? Richtig, nicht viele. Er ist so ein Spieler und auch deswegen wundert ihn und alle Menschen die ihn über die vergangenen Jahre intensiv begleitet haben, der Umstand seiner mentalen Stärke wohl am wenigsten. Dieser Ballon d´or ist sein Lebenswerk, was diesen Abend nicht weniger besonders macht. Mit knapp 35 Jahren ist er das Paradebeispiel für alle Tugenden, die einen großen Fußballer ausmachen. Lernbereitschaft, Charakterstärke, Demut, Ausdauer, Wille, Ehrgeiz. Auch diese Attribute haben ihn mittlerweile zum Kapitän des größten Vereins der Welt werden lassen und ihn zurück ins französische Nationalteam gebracht. Benzema ist, war und bleibt ein Unterschiedsspieler und das auf allen Ebenen.

5. Seine Konstanz

Der aktuell beste Spieler der Welt kann durch seine Stärke, seine individuellen Fähigkeiten als auch seine Leistungen auf Vereinsebene definitiv als der größte Spieler unserer Zeit nach Ronaldo und Messi bezeichnet werden. Vor allem in den vergangenen Jahren und der bei Real angesprochenen Post-Ronaldo Ära war der Franzose so konstant wie sonst keiner. Auch als Leader steht er mittlerweile ganz vorne und abgesehen von all diesen positiven Veränderungen muss man auch die Jahre davor konstant auf einem Niveau spielen, das seinesgleichen sucht, um seit mittlerweile über 13 Jahren der unumstrittene Mittelstürmer Real Madrids zu sein. Nicht mal Vereinslegende Raúl spielte über einen derart langen Zeitraum als gesetzte Neun auf höchstem Niveau. Auch deshalb dient diese Würdigung dazu, dem Franzosen seinen verdienten, wenn auch nur virtuellen Applaus zukommen zu lassen. Karim, du bist der Größte!