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Foto: Steffen Prößdorf – https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/
Bei Mainz 05 geht im Abstiegskampf die Angst um. Frische Kräfte sollen die Wende im sportlichen Überlebenskampf bringen.
In Mainz dreht sich dieser Tage alles um das Thema Neuverpflichtungen. Als Tabellenachtzehnter befindet sich der FSV mitten in einem sportlichen Überlebenskampf, der unter Neu-Trainer Urs Fischer abermals erfolgreich bestritten werden soll. Die Transfers der Nullfünfer wirken bislang allerdings wie eine einzige Wundertüte.
Klar ist: Im Abstiegskampf geht es oft um die Auswahl der richtigen Spielertypen. Ein Winter-Transferfenster ist dafür da, um nachzujustieren. Erst recht dann, wenn man, wie in Rheinhessen, die Arbeit im Sommer nur unzureichend erledigte. Dass Trainer Fischer, seit wenigen Wochen im Amt, auch bei seinen vorherigen Stationen bereits klare Vorstellungen davon hatte, wie seine Mannschaft aufzutreten hat, macht die Suche nach Neuzugängen im theoretischen Rahmen bereits deutlich einfacher.
Viele Mainzer Fragezeichen
Mit Phillip Tietz (FC Augsburg) und Silas (VfB Stuttgart) sind die ersten beiden Neuverpflichtungen bereits unter Dach und Fach. Dass die Verantwortlichen die Problemzone Offensive als solche identifiziert haben, ist grundsätzlich als positives Zeichen zu werten. Während Tietz die notwendige Körperlichkeit mitbringt, liefert Silas dem Offensivspiel der Mainzer mit seinem Tempo eine gewisse Tiefe.
Betrachtet man die beiden Neuverpflichtungen etwas genauer, bleiben zumindest mal einige Fragezeichen. So kam die neue Sturmhoffnung des 1. FSV Mainz 05 aus Augsburg in der Hinrunde bei einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf nie über eine Jokerrolle hinaus. Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen um Sportvorstand Christian Heidel dazu, rund vier Millionen Euro plus Boni an die Fuggerstädter zu überweisen.
Millionengrab oder Soforthilfe?
Eine Investition, die der 28-Jährige definitiv rechtfertigen muss. Blickt man auf die Gesamtausgaben im Offensivbereich, die sich mit dem Sommertransfer von Benedict Hollerbach bereits auf nahezu wahnwitzige 16 Millionen Euro belaufen, lastet ohne Frage in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Druck auf Tietz. Ganze 96 (!) % der Transferaufwendungen in dieser Saison investierte man in Stürmer.
Der Stuttgarter Silas hingegen musste auf Einsatzzeit in Stuttgart bislang gänzlich verzichten. Mit der Empfehlung von Null Minuten Bundesligafußball 2025/26 legt der 27-Jährige einen echten Kaltstart hin. Immerhin kostete der schnelle Tempodribbler den FSV „nur“ eine Ablöse im mittleren sechsstelligen Bereich. Finanziell ohne Risiko, wird auch Silas seinen sportlichen Wert in einem angespannten Gebilde erst noch nachweisen müssen.
Auch wenn die Akteure selbst per se nichts für gezahlte Ablösen und die Marksituation können: Die Transferaktivitäten der Rheinhessen definieren sich nicht nur über ein hohes Risiko, sondern lassen auch erneut Raum für Kritik. Vor allem wird es darauf ankommen, ob die Nullfünfer auch in der Defensive noch einmal aktiv werden. Besonders ein Schienenspieler sowie ein gelernter Innenverteidiger würden den Rheinhessen definitiv gut zu Gesicht stehen.
Die Patronen der Mainzer müssen sitzen. Ob es für den selbsternannten Karnevalsverein im Haifischbecken Abstiegskampf nach 2021 und 2024 ein weiteres Mal gut ausgeht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei vor allem den Neuzugängen zu.
