Die heißeste Aktie des deutschen Fußballs

Quelle: Wikimedia Commons

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Der FC St. Pauli machte am vergangenen Wochenende den Sprung in die Fußball Bundesliga perfekt. Hauptverantwortlich dafür ist ein ehrgeiziger junger Coach, der über die Niederungen des Fußballs durch Fleiß, Hingabe und Wissbegierde endlich den Sprung ins Konzert der ganz Großen geschafft hat.

Deutschlands Nachwuchshoffnung

Die ganz persönliche Odyssee von Fabian Hürzeler erreichte am vergangenen Sonntag mit dem Aufstieg seines FC St. Pauli ihren vorläufigen Höhepunkt. Sein Verein machte so den Sprung zurück an den Ort perfekt, an dem er vor rund 12 Jahren sang und klanglos abgestiegen war: Die Fußball Bundesliga. Dass sich die Kiezkicker dieses Mal nicht wehrlos ihrem Schicksal ergeben, dafür soll auch ebenjener Hürzeler sorgen.

Die wohl größte Trainerhoffnung des deutschen Fußballs und sein Team begeisterten die Massen zumeist durch mitreißendem Offensivfußball, der zum Staunen einlud. Der Weg, den er und seine Mannschaft als eingeschworener Haufen eingeschlagen haben, soll jetzt erst richtig beginnen. Dass das Hürzeler und Co. zuzutrauen ist, zeigt nicht zuletzt ein Blick auf dessen außergewöhnliche Vita.

„Der Weg, den er und seine Mannschaft als eingeschworener Haufen eingeschlagen haben, soll jetzt erst richtig beginnen.“

Aus Pipinsried in die Bundesliga

Trotz seiner fußballerischen Begabung inklusive Partizipation an diversen DFB-Nachwuchslehrgängen hatte er seine aktive Karriere früh ad acta gelegt, um seiner Berufung als Cheftrainer nachzugehen. Der Werdegang des jungen Hürzeler bis zu seinem Engagement auf St. Pauli ist ein besonderer, da unkonventioneller.

So startete der Jungcoach seine Coachinglaufbahn im Jahr 2016 als Spielertrainer beim FC Pipinsried, über den er als Co-Trainer in den DFB-Auswahlmannschaften 2020 zum Kiezklub kam. Das Coachingverhalten des gebürtigen US-Amerikaners an der Seitenlinie gleicht oft einem intensiven Ritt auf der Rasierklinge, fügt sich seinem heißblütigen Temperament. Dennoch sahen sich die Verantwortlichen um Andreas Bornemann nie dazu gezwungen, Hürzeler in seiner Art, seinem Charakter verändern, gar bekehren zu wollen.

„Das Coachingverhalten des gebürtigen US-Amerikaners an der Seitenlinie gleicht oft einem intensiven Ritt auf der Rasierklinge, fügt sich seinem heißblütigen Temperament.

Gegen alle Widerstände

Wenn dieser Charakter dann auch noch mit Erfolg punktet, sieht sich der Verein sowie der Trainer selbst in seiner Arbeit und seinen extrem fordernden Trainingsinhalten bestätigt. Auch wenn natürlich mit einigen wenigen sportlichen Dellen im Spiel der Paulianer nicht immer alles rund läuft und Hürzeler hin und wieder als streitbare Persönlichkeit gilt.

Denn soviel gehört auch zur Wahrheit: Der Erfolg St. Paulis war nicht zu jedem Zeitpunkt der Saison sichergestellt. Als sich dann auch noch das monatelange Theater rund um die Vertragsverlängerung des begehrten Shootingstars hinzog, drohte die Stimmung rund um Hürzeler zu kippen. Doch er und seine Spieler ließen sich in der täglichen Arbeit nicht beirren, setzten ihren erfolgreichen Weg entgegen aller Widerstände unbeirrt fort. Dazu trug in dieser Phase auch das exzellente Gespür sowie die maßgeschneiderte taktische Ausrichtung des ambitionierten Chefcoaches bei.

„Hürzeler und seine Spieler ließen sich in der täglichen Arbeit nicht beirren, setzten ihren erfolgreichen Weg entgegen aller Widerstände unbeirrt fort.“

Der neue Nagelsmann?

Bei derartigen Erfolgen in jungen Jahren und den unübersehbaren Parallelen zu Vorgängern in dieser Altersklasse, liegt der Vergleich zu Musterabsolventen wie Julian Nagelsmann vor allem medial natürlich nahe. Auch Hürzeler glänzt durch taktisch flexiblen Fußball, lässt seine Mannen zumeist im offensiv ausgerichteten 3-4-3 auflaufen.

Dem eigenen Selbstverständnis nach versteht sich der Kiezklub als dominante Ballbesitzmannschaft, die trotz ihrer spielerischen Dominanz die meisten Kilometer in der 2. Bundesliga zurücklegt. Die Brücke zwischen diesen recht paradoxen Kausalitäten lässt sich über die Positionierung seiner Schützlinge schlagen, die im Spiel selbst durch häufige Positionrochaden auffallen. Auch dieser Umstand definiert das hohe Anforderungsprofil des 31-Jährigen Chefcoachs.

„Die Brücke zwischen diesen recht paradoxen Kausalitäten lässt sich über die Positionierung seiner Schützlinge schlagen, die im Spiel selbst durch häufige Positionrochaden auffallen.“

Sky is the limit

Hürzeler und sein Team werden sich in der neuen Saison mit veränderten Umständen konfrontiert sehen, auch hier kommt es wieder auf die Anpassungsfähigkeit des Kollektivs an. Denn vom Gejagten wird das im Vergleich zur nationalen Konkurrenz in seinen finanziellen Mitteln beschränkte St. Pauli zwangsläufig zum Jäger werden müssen. Als Herausforderer und Underdog, der stets mit Vertrauen in die eigenen Stärken punktet.

Dass Hürzeler dazu im Stande ist, sein Team in der richtige Art und Weise anzupacken und auch mal durch die von Außen deutlich übertrieben wirkende Emotionalität zu packen, steht dabei außer Frage. Dies tut er dann ohne Zweifel mit dem nötigen Rückhalt der Verantwortlichen und dem Wissen um die eigene Vision.

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