Es beginnt gerade die zweite Halbzeit im alles entscheidenden letzten Champions League Gruppenspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Sporting Lissabon, als Sebastian Rode für seinen glücklosen Teamkollegen Jesper Lindstrøm eingewechselt wird. Mit einem 0:1 Rückstand geht es in die zweiten 45 Minuten und die Eintracht muss gewinnen, um sicher in die K.o.-Phase einzuziehen. Das dies letztendlich gelingt, ist vor allem einem Namen zuzuschreiben: Kapitän Sebastian Rode. Das der später zum „Man of the Match“ ausgezeichnete Blondschopf durch seine Einwechslung maßgeblich die Dynamik des Spiels veränderte und extremen Einfluss auf Pressing und Angriffsspiel nahm, war kaum zu übersehen. Obwohl sein ebenfalls überragend aufgelegter Teamkollege Randal Kolo Muani den vielumjubelten Siegtreffer zum 2:1 Endstand erzielte, sprach hinterher fast jeder über die Leistung des 32-Jährigen. So verstand es der Ex-Münchener und Dortmunder nicht zum ersten Mal in dieser Saison durch seine überragenden Leaderqualitäten, sein vorbildliches Verhalten auf dem Platz als auch seine extreme Spielintelligenz seinem Team zum Sieg zu verhelfen. Betrachtet man nicht nur die Leistung in Lissabon vergangenen Dienstag, sondern seine beeindruckende Konstanz trotz ewig langer Verletzungshistorie (diese kommt dem Studium eines Anatomielexikons gleich) in dieser Saison, drängt sich bei konsequenter Berücksichtigung von Parametern wie Leistung, Beständigkeit und zwischenmenschlicher Fähigkeiten in Bezug auf die anstehende Winter WM in Katar und der Kadernominierung am Donnerstag mehr und mehr eine Frage auf: Warum sollte Sebastian Rode eigentlich nicht zur WM mitfahren? Die Antwort ist: Er sollte nicht, er muss!

Rode wäre ohne Zweifel eine sportlich wertvolle Ergänzung

Klar ist eines: Die sportlichen Qualitäten des Hessen stehen außer Frage, er ist nicht umsonst Kapitän seines Vereins und spielt wenn beschwerdefrei eigentlich immer in der ersten Elf. Das er in seiner Karriere unter anderem bereits für den FC Bayern unter Pep Guardiola (der ihn einst sogar als seinen Lieblingsschüler bezeichnete) oder bei Borussia Dortmund spielte, kommt jedenfalls nicht von ungefähr. Nicht zuletzt das beweist, welch extreme Leistungen dieser Spieler zu bringen vermag. Wie bereits angesprochen stellt sich in diesem Kontext doch eine Frage: Wie kann man einen Spieler mit einem solch geeigneten Profil eigentlich nicht mit zur WM nehmen? In den letzten Tagen und Wochen wurden immer wieder die verschiedensten Namen in Bezug auf das anstehende Turnier gehandelt. Von Teamkamerad Mario Götze, über den Mainzer Anton Stach bis hin zu Rani Khedira von Union Berlin. Sicher sind die genannten Namen allesamt in dieser Diskussion berechtigt, doch hat ein Sebastian Rode ihnen allen etwas voraus: Seine immense Erfahrung auf europäischem Spitzenniveau. Und genau das macht den Spieler zu einer unverzichtbaren Ergänzung für Bundestrainer Hansi Flick. Zugegeben, er wird nicht über die vollen 90 Minuten gehen können, wäre dafür vermutlich aber auch gar nicht eingeplant. Dennoch bewies der Eintracht Kapitän vergangene Woche wieder einmal eindrucksvoll, warum man unter gewissen Voraussetzungen einen Spielertypen wie ihn im Nationalteam gebrauchen könnte. Der Bundestrainer sprach zuletzt in Bezug auf die Stürmerthematik davon, auf „alle Eventualitäten“ vorbereitet sein zu wollen. Warum dann nicht auch im Mittelfeld, denn Rode stellt einfach die perfekte Ergänzung zu Platzhirschen wie Kimmich, Goretzka oder Gündogan dar.

Kader wird nicht ausschließlich nach sportlichen Parametern zusammengestellt

Bleibt also abzuwarten, ob Rode überhaupt auf der vorläufigen Liste von Hansi Flick für die Weltmeisterschaft steht und in wieweit dort ein zusätzlicher Platz im zentralen Mittelfeld vorgesehen ist, wenn man bedenkt, dass beispielsweise vier Torhüter nominiert werden sollen und sich auch im Sturm einige Optionen bieten. Klar ist eins: Seit jeher wird ein WM Kader von seinen Trainern nicht ausschließlich auf Basis von Leistung zusammengestellt, sondern auch die zwischenmenschlichen Fähigkeiten berücksichtigt. Beispielsweise bei der WM 2014 gewannen die Deutschen das Turnier, gerade weil ein enorm starker Zusammenhalt herrschte und der Kader von Teamplayern wie Kevin Großkreutz, Ron-Robert Zieler oder Christoph Kramer überragend ergänzt wurde. Auch Rode könnte eine solche Rolle einnehmen. Klar ist eine Sache jedoch auf alle Fälle: Der Spieler ist nicht nur auf seine Empathie zu reduzieren, denn auch wenn man sich nur auf seine Leistung und seine beständige Entwicklung mit Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren bezöge, hätte sich der Kapitän der Hessen eine Nominierung ohne Zweifel verdient. Das wird auch Bundestrainer Hansi Flick wissen, obgleich er auch in Bezug auf die anderen Mannschaftsteile die beste Entscheidung zum Wohle des Teams wird treffen müssen. Sebastian Rode wird jedenfalls bereit sein, wenn er gebraucht wird. So wie letzten Mittwoch in Lissabon.