Auch in diesem Jahr hatte es die Champions League Gruppenphase wieder in sich. Zugegeben fand das ganze dieses Jahr aber auch unter besonderen Vorzeichen statt, denn aufgrund der Winter WM in Katar musste alles etwas zügiger über die Bühne gehen als sonst. Somit kennen wir schon Anfang November den Ausgang der Gruppen und können nächsten Montag gespannt auf die Auslosung des Champions League Achtelfinale in Nyon blicken. Bevor wir das aber tun, werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf die bisher absolvierten sechs Gruppenspiele und tragen die wichtigsten Erkenntnisse des diesjährigen Wettbewerbs zusammen.

1. Die Adler fliegen auch in der Champions League

Die erste Erkenntnis betrifft gleich Mal die Eintracht aus Frankfurt. Wer dachte, die Highlights der letzten Jahre und allen voran der überragende Europa League Sieg im vergangenen Frühjahr wäre das Ende der Fahnenstange für die Eintracht in Europa, hat sich getäuscht. Denn durch leidenschaftlich erkämpfte Erfolge und einen wahnsinnigen Support der eigenen Anhänger im Rücken vollbrachte die SGE eine Leistung, die mit Worten gar nicht ausreichend gewürdigt werden kann. In einer Gruppe mit den Tottenham Hotspur, Sporting Lissabon und Olympique Marseille als Gruppenzweiter ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen, ist dabei eine logische Konsequenz der überragenden Entwicklung, die die Frankfurter seit der Relegation 2016 hingelegt haben. Die SGE mausert sich mehr und mehr zu einem Spitzenteam, dass nun auch in Europa mehr als nur ein Wörtchen mitzureden hat.

2. Benfica und Napoli mausern sich zu Geheimfavoriten

Die zweite Erkenntnis der diesjährigen Gruppenphase betrifft vor allem die Überraschungsteams aus Portugal und Italien, genauer gesagt Benfica Lissabon und die SSC Neapel. Beide Mannschaften erarbeiteten sich durch teilweise überragende Auftritte in der Königsklasse sogar den Ruf des Geheimfavoriten. Während Benfica durch ein 6:1 bei Maccabi Haifa am letzten Gruppenspieltag sogar noch am großen Favoriten Paris St.Germain auf Platz 1 vorbeizog, setzte sich Napoli in einer Gruppe mit dem FC Liverpool und Ajax Amsterdam ebenfalls ungefährdet auf dem ersten Rang durch. Beide Teams vereint der enorme Kampfgeist und ein besonderes Teamgefüge, dass von ihren Trainern Roger Schmidt (Benfica) bzw. Luciano Spalletti (Neapel) überragend geführt wird. Schaffen es diese Mannschaften, sich diese herausragende Form und ihren Teamspirit zu bewahren, stellen sie für jeden Gegner in Europa eine reelle Bedrohung im Kampf um die Königsklasse dar.

3. Spanische Dominanz bröckelt

Während sowohl die Bundesliga (Bayern, Dortmund, Frankfurt, Leipzig), als auch die Premier League (ManCity, Tottenham, Chelsea, Liverpool) mit je vier Teams in der KO Phase vertreten sind, stellt die spanische Primera Division das erste Mal seit der Saison 98/99 nur eine einzige Mannschaft: Den amtierenden Champions League Sieger Real Madrid. Auch wenn das königliche Starsensemble dieses Jahr erneut zu den Favoriten zählen dürfte, täuscht dieser Umstand nicht über die Tatsache hinweg, dass die Dominanz der spanischen Teams zu bröckeln scheint. Während der FC Barcelona eher mit finanziellen Wagnissen als mit sportlichem Erfolg auf sich aufmerksam machte, scheiterten Atletico Madrid als auch der FC Sevilla krachend. Während letztere immerhin noch in die geliebte Europa League „abstiegen“, verabschieden sich die Rojiblancos für diese Saison komplett aus dem europäischen Wettbewerb. Die Spanier bangen somit ein Stück weit um ihre Vormachtstellung, die in den letzten Jahren immer und immer wieder eindrucksvoll untermauert wurde und müssen aufpassen, dass ihre europäischen Konkurrenten sie nicht dauerhaft abhängen.

4. Juve braucht dringend einen Umbruch

Eine extrem negative Überraschung in diesem Jahr war das Abschneiden von Juventus Turin. Während viele Experten die runderneuerten Italiener klar mit PSG in der KO Phase sahen, prognostizierten immerhin ein paar wenige einen Zweikampf mit Portugals Rekordmeister Benfica Lissabon um den zweiten Gruppenplatz. Doch es kam alles anders, denn die alte Dame schied krachend aus dem Wettbewerb aus und musste sich zum Schluss sogar noch mit Maccabi Haifa, gegen das man sogar ein Mal unterlag, um den letztlich erreichten 3. Platz streiten. So schied man sang und klanglos mit lediglich drei mageren Pünktchen aus und steht so vor einem erneuten Umbruch, um im nächsten Jahr wieder angreifen zu können. Die Europa League wird für die erfolgsverwöhnten Italiener dabei nicht mehr als ein schwacher Trost sein, wenn man bedenkt, dass man vor ein paar Jahren noch regelmäßig im Finale der Champions League stand.

5. Underdogs im Achtelfinale

Während bis jetzt nur die Rede von Geheimfavoriten und gescheiterten Topteams war, kommen wir nun zu den Underdogs, die dieses Jahr den Wettbewerb ordentlich aufmischen. Beispielsweise der FC Porto und Club Brügge setzten sich in einer Gruppe mit den Favoriten aus Leverkusen und Madrid überraschend auf den Positionen 1 und 2 durch und stehen somit im Achtelfinale. Beiden sind somit zwei weitere große Duelle garantiert. Auch Eintracht Frankfurt, das bei seiner ersten Teilnahme an diesem Wettbewerb gleich ins Achtelfinale einzog, gehört zu diesen Überraschungen. Inter Mailand schaffte es ebenso eindrucksvoll, den FC Barcelona in die Europa League zu schicken und steht als eine von zwei italienischen Mannschaften in der nächsten Runde. Es lässt sich also insgesamt feststellen, dass viele Topteams sich dieses Jahr auch vor den aufmüpfigen Goliaths in Acht nehmen sollten, denn wie man sieht, setzen sich die auch die großen Namen nicht immer automatisch durch.