Innerhalb von ein paar Wochen sitze ich also nun zum zweiten Mal an einem Kommentar zur Lage von Cristiano Ronaldo bei Manchester United. Das hier ist also nicht der erste Text dieser Art, indem es um CR7 und seine Probleme in dem Verein geht, bei dem er einst unter Sir Alex Ferguson zum Weltstar reifte. Wer also den ersten gelesen hat, könnte leichte Deja Vus erleben. Auch auf Instagram haben wir unserem Ärger über die ganze Thematik bereits Luft gemacht. Ich sehe mich allerdings nach den neuesten Geschehnissen dazu genötigt, meinen Standpunkt mit neuen Fakten zu untermauern. Ja, CR7 ist mein absolutes Vorbild und Kindheitsidol und doch gilt es hier nochmal einiges klarzustellen.

Ten Hags Umgang mit Ronaldo ist mehr als zweifelhaft

Der Umgang von Trainer Erik ten Hag mit seinem größten Star und dem in der letzten Saison wichtigsten Leistungsträger ist mehr als zweifelhaft. Ich würde ihn in einer gewissen Emotionalität sogar als absolute Frechheit bezeichnen. Es sind mittlerweile so viele kleine Dinge, die sich in den letzten Wochen und Monaten häufen und zu einem Gesamtbild zusammensetzen lassen, das mehr als nur ein paar Fragen aufwirft. Ein Erik ten Hag, im Sommer vom holländischen Meister Ajax Amsterdam gekommen, ist also der Meinung, CR7 ist sportlich nicht mehr wertvoll genug, um ihm Einsatzzeit zu geben. Zuerst wurden Gründe wie mangelnde sportliche Fitness bei Cristiano Ronaldo (!!!) angegeben, der die Vorbereitung aus unbekannten Gründen nicht mit dem Verein, sondern individuell absolvierte. Im Laufe der Zeit, als er merkte, dass dieses Argument nicht mehr zieht, begründete er die wenigen Spielminuten des fünfmaligen Weltfußballers damit, dass er die Dynamik der Mannschaft nach einer kleinen Siegesserie nicht verändern wolle. Zu guter letzt zog er es vor, Stürmern wie Anthony Martial, der letzte Saison von Ralf Rangnick an den FC Sevilla verliehen wurde und mit einer Bilanz von einem Tor und einer Vorlage aus 12 Spielen im Sommer ins Old Trafford zurückkehrte, öffentlich als Stürmer Nummer 2 nach Marcus Rashford den Rücken zu stärken. Auf CR7 angesprochen gab er zu Protokoll, dass dieser immer besser werden würde. Mir stellt sich in der Folge vor allem eine Frage: Eine merkliche Leistungssteigerung hat doch dann wohl auch mehr Minuten und vor allem Einsätze in wichtigeren Partien zur Folge, oder? Nichts da, Cristiano Ronaldo bleibt eine vom Trainer zum Bankwärmer degradierte Witzfigur im Stile eines Jugendspielers, der sich gegen Tottenham erst drei Mal aufwärmen und dann wieder auf der Bank gemütlich machen darf. Der erfolgreichste Champions League Torschütze aller Zeiten (140 Tore) ist von nun an als Rotationsspieler in der Europa League gegen Omonia Nikosia und Sheriff Tiraspol gefragt. Danke für nichts! Noch offensichtlicher kannst du deine Ablehnung gegenüber einem so verdienten Spieler nicht zum Ausdruck bringen, der im Sommer noch unbedingt gehalten werden musste, da er ein „Schlüsselspieler für die Mannschaft“ sei. Sehr interessant.

Ronaldo im Teufelskreis gefangen

Zur Wahrheit gehört trotz allem, dass man nicht die ganze Schuld auf anderen Personen abladen kann, CR7 ist an seiner Lage definitiv nicht unschuldig. Trotz dem, dass ich ten Hag für einen Trainer halte, der einem Weltverein wie Manchester United in keiner Weise gewachsen ist und lieber Spieler aus der Niederlande im Gesamtwert von mehr als 160 Millionen Euro verpflichtet, anstatt auf ausgewiesene Weltklassespieler wie Ronaldo, Casemiro oder Varane zu setzen, muss man auch den Willen zeigen, weiterhin auf höchstem Niveau zu performen. Auch ein Spieler wie er muss Leistung zeigen und mit zwei Toren aus 12 Spielen sammelt er bei nüchterner Betrachtung nicht gerade Argumente für sich, auch wenn ich bezweifle, dass an diesen Spieler seitens des Trainerteams auch bei höherer Trefferquote faire Maßstäbe angelegt werden würden. In meinen Augen handelt es sich um eine Art Teufelskreis, denn der Trainer lässt den nötigen Respekt und das know-how vermissen, mit einem absoluten Weltstar umgehen zu können und der Spieler reagiert darauf mit trotzigem und widerwilligem Verhalten. Dem ausgewiesenen Fußballfachmann ten Hag macht er die Entscheidung sowie deren Rechtfertigung damit extrem einfach. Durch sein Fehlverhalten, als er Minuten vor Spielschluss beim überzeugenden 2:0 Sieg gegen Tottenham in den Katakomben verschwand und anschließend suspendiert wurde, wird er nur erreichen, dass er in Zukunft immer öfter gar nicht mehr im Kader steht. Nächste Eskalation vorprogrammiert, auch wenn ten Hag das in aller Öffentlichkeit auf Pressekonferenzen oder im Spiel selbst nur per Wink mit dem Zaunpfahl durchblicken lässt. Ich meine klar, einen Cristiano Ronaldo bei 0:4 Halbzeitstand gegen Manchester City zur 2. Halbzeit einzuwechseln kommt nicht in Frage, schließlich wäre das ja laut dem Coach „aus Respekt vor seiner großartigen Karriere“ eine Zumutung gewesen. Ich glaube, nach der Aussage einer solch über alle Zweifel erhabenen Trainerlegende wird sich beispielsweise PSG Coach Galtier bei einem hohen Halbzeitrückstand das nächste Mal gut überlegen, ob er einen geschonten Lionel Messi einwechselt oder ihn einfach draußen lässt. Bringt ja eh nix, große Karriere und so.

Sportliche Fehleinschätzungen ten Hags kein Einzelfall

Will man die ganze Diskussion sportlich noch weiter mit Fakten füttern, so kommt man schnell auf den Fall Raphael Varane zu sprechen. Zu Saisonbeginn zog es ten Hag noch vor, ein Innenverteidiger Duo aus dem seit Monaten kriselnden Kapitän Harry Maguire und dem im englischen Fußball völlig unerfahrenen Lisandro Martínez zu bilden. Varane, unter anderem viermaliger Champions League Sieger und Weltmeister, in die erste Elf zu integrieren und so für die nötige Stabilität zu sorgen, kam dem Trainer dabei erst nach ein paar Spielen und völlig desolaten Defensivleistungen in den Sinn. Dass dieser sich mittlerweile durch überragende Leistungen wieder als absoluter Führungsspieler in der Startelf etabliert hat, ist nicht mehr als eine logische Konsequenz. CR7 muss also in Zukunft alleine auf der Bank Platz nehmen und über das lachen, was er da vor sich sieht. Außer sein Trainer zieht es mal wieder vor, Casemiro gegen Manchester City durch Scott McTominay zu ersetzen. Dann sitzen zwei Weltstars auf der Bank, die zusammen auf 10 Champions League Titel zurückblicken können und amüsieren sich über ihre Reservistenrolle, während sie in Erinnerungen wie dem ersten gemeinsamen Europapokalerfolg 2014 mit Real Madrid in Lissabon schwelgen. Erik ten Hag war zu dieser Zeit übrigens gerade Trainer der 2. Mannschaft des FC Bayern München und coachte Spieler wie Tobias Schweinsteiger oder Steven Ribéry. Die These, er hätte noch nie mit großen Namen gearbeitet, ist somit auch hinfällig.

Ronaldo muss seine Konsequenzen ziehen und den Verein verlassen

Cristiano Ronaldo bleibt bei nüchterner Betrachtung nichts anderes übrig, als den Verein so schnell wie möglich zu verlassen. Es bleibt zu hoffen, dass er seine zwangsläufig aufgesparten Ressourcen auf die Weltmeisterschaft in Katar verwendet und dem portugiesischem Team als Kapitän so zum Sieg verhelfen kann. Vielleicht ist eine absolute Legende wie er in seiner Karriere sogar wirklich zum allerersten Mal gezwungen, sich über ein Turnier für andere Mannschaften zu empfehlen. CR7 wird Leistung bringen müssen, um im Spätherbst seiner Profilaufbahn vielleicht in der Rückrunde sogar nochmal in der Champions League angreifen zu können. Eines dürfte trotz allem jedenfalls klar sein: Auch wenn er kein Jugendspieler mehr ist, möglich ist es definitiv, denn (fast) jeder weiß um den Ehrgeiz und die Ambitionen eines Cristiano Ronaldo, egal ob mit 17 oder 37, es auf der großen Fußballbühne noch einmal allen zeigen zu wollen. Auch wenn sein Vereinstrainer das offenbar anders sieht.